Guanyin (W.-G. Kuan-yin) ist im ostasiatischen Mahayana-Buddhismus
ein weiblicher Bodhisattva des Mitgefühls, wird aber im Volksglauben
auch als Göttin verehrt.
Das Lotos-Sutra aus dem Mahayana-Buddhismus wurde mehrfach ins
Chinesische übersetzt. Die bedeutendste Übersetzung stammt von
Kumarajiva und wurde im Jahre 406 fertiggestellt. Hierbei wurde der
Name des Bodhisattvas Avalokiteshvara aus dem Sanskrit in den
chinesischen Namen Guanshìyin übersetzt.
Eine zentrale Rolle nimmt Guanyin im Herz-Sutra ein.
In China entstanden viele Statuen. Zunächst wurde Guanyin gemäß der
Übersetzung als Mann dargestellt. Mit der Verbreitung im Land wurde
der Inhalt des Sutra oft mit bestehenden religiösen Vorstellungen
und Praktiken vermischt.
In der Táng-Dynastie (618 bis 907) herrschte Toleranz und es kam zu
intensiven Begegnungen vieler Religionen. Das Lotos-Sutra war wegen
der Betonung des Mitgefühls sehr beliebt. Aber gerade in der
Volksfrömmigkeit bestand ein großes Bedürfnis nach einer Gottheit
mit femininen Attributen. Eine beliebte Göttin jener Zeit war
Xiwángmu, die Königinmutter des Westens (engl. Queen Mother of the
West, Old Grandmother of the Mount Tàishan) aus dem Daoismus. Durch
die Vermischung dieser und anderer religiöser Ideen entstand im
Laufe der Zeit die „Göttin“ Guanyin.
Im 9. und 10. Jahrhundert wurde Guanyin im Nordwesten Chinas immer
häufiger als Frau dargestellt. Im 12. Jahrhundert wurden auch in den
religiösen Zentren alte Geschichten von Göttinnen und Helden mit
Guanyin in Verbindung gebracht.
Als portugiesische Jesuiten im späten 16. Jahrhundert nach China
kamen, betrachteten chinesische Künstler die Madonna-Statuen als
Darstellung Guanyins und begannen neue Statuen nach diesem Vorbild
herzustellen.
Andere Darstellungen von Guanyin orientieren sich an Avalokiteshvara.
Sie hat viele Augen, damit sie das Leid überall auf der Welt sieht,
und viele Arme, damit sie überall helfen kann. Literarisch wird sie
mit 1000 Augen und 1000 Armen beschrieben. Die meisten Statuen der
„1000händigen“ Kannon (jap.: senju kannon) haben nur 42 Arme.
Zugrundeliegend ist der Glaube, dass es 25 „Welten“ gäbe. Die Kannon
hat 2 „normale“ Arme und 40 Arme, die in den Welten Lebewesen retten
(in je einer Welt, und 24 davon daher nicht sichtbar). 40 × 25 =
1000, was den Namen erklärt. (Es gibt einige wenige Statuen, die
tatsächlich 1000 Arme haben.)
In Japan wird sie oft als Juichimen Kannon mit elf Köpfen
dargestellt. Diese symbolisieren die Eigenschaft, in alle Richtungen
zu sehen (allsehend zu sein.) Die 11-köpfige Kannon des Yakushi-ji
in Nara ist eine der berühmtesten.
Diese Bilder sollen die Idealvorstellung einer Gottheit ausdrücken,
die alles sieht und jedem hilft und deshalb äußerst beschäftigt ist.
Auf den folgenden Fotos finden Sie den buddhistischen Lehrer von
Dr. Lily bei einem Besuch bei Familienangehörigen. Thema des
angeregten Gesprächs war: Wer kümmert sich um die alten Menschen.
Der Geburtstag der Göttin des Mitgefühle findet in jedem Jahr Ende
März statt.
Fotos von den Feierlichkeiten:
|